Der Krach der Republik – das Heimspiel der Toten Hosen in Düsseldorf

Mein letztes Hosen-Konzert war lange her, sehr lange. Irgendwann in den 90ern begann ich es den Jungs übel zu nehmen, dass sie sich an das irgendwann einmal bei einem der legendären Konzerte im Tor 3 gegebene Versprechen „Wir werden niemals in der Philipshalle spielen!“ nicht gehalten hatten.

Heute weiß ich, dass das völliger Unfug ist. Dass sich Künstler wie alle Menschen weiterentwickeln müssen. Gerade, damit sie authentisch bleiben können. Mit dieser Erkenntnis, die buchstäblich in und mit mir reifte, fand ich über die Jahre auch wieder zu den Hosen. Auf ein Konzert habe ich es dann aber trotzdem in den letzten Jahren irgendwie nie geschafft. Dank eines lieben Kollegen und seiner Freundin war es gestern, am 24.11.2012, dann endlich mal wieder so weit. Sie hatte es tatsächlich geschafft, für uns die überaus begehrten Tickets für das Heimspiel der Toten Hosen bei der „Der Krach der Republik“ – Tour 2012 in Düsseldorf zu ergattern.

Als ich dann am ISS Dome ankam wurde mir direkt noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie begehrt die Tickets waren. Während man sonst vor Konzerten oft die üblichen Angebote für Karten von Schwarzmarkt bekommt wurde hier nur händeringend und lautstark danach gesucht. Und das zu Recht, wie sich später beim absolut genialen Konzert herausstellen sollte!

Ankunft  – glücklicherweise MIT Eintrittskarte

Bevor es losging durfte ich aber im ISS Dome – wie schon vor kurzem beim Fußball in der Esprit-Arena – feststellen, dass Düsseldorfer irgendwie kein Catering bei Großveranstaltungen können. Gab es bei der Fortuna zur Halbzeit keine Bratwurst mehr so konnte ich im ISS-Dome schon VOR dem Beginn des Konzerts kein alkoholfreies Bier mehr bekommen. Unfassbar unprofessionell!

Das sollte aber meiner Stimmung keinen Abbruch tun! Nachdem die Vorgruppe „Useless ID“ aus Israel bei ihrem letzten Auftritt auf der Hosen-Tour den Einheizer gegeben und dabei eine gute Figur gemacht hatte kamen dann endlich Campino und Co. auf die Bühne. Während der folgenden Stunden wurde mir wieder bewusst, wie viele geniale Hymnen die Hosen doch im Laufe der Jahre herausgebracht haben…

Gleich zu Beginn wurde(n) Flagge(n) gezeigt…

Die Stimmung in der Halle war phantastisch. Man feierte die Hosen und mit diesen zusammen immer wieder Fortuna Düsseldorf. Überhaupt scheint der sportliche Erfolg, der in diesem Jahr mit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga gekrönt wurde, der Stimmung in Düsseldorf gut zu tun. Düsseldorf, Fortuna und die Hosen – das gehört zusammen und erzeugt eine angenehme Form von Lokalpatriotismus, der sowohl das Schicki-Micki-Image der Rheinmetropole als auch die medial hochgekochten Bilder vom Relegationsspiel gegen Hertha BSC vergessen lässt.

Apropos Relegationsspiel – auch beim Konzert wurden mehrere Bengalos entzündet und umtanzt – dies verlief jedoch kontrolliert und brachte weder die Band noch die Ordner aus der Ruhe.

Wenn das die DFL sehen würde …

Bei all der guten Laune und Party wurden jedoch auch immer wieder nachdenkliche Töne angestimmt, sei es mit dem Song „Europa„, vor dem Campino um Unterstützung für PRO ASYL und Oxfam warb, oder auch mit dem Songs wie „Draußen vor der Tür„. Solche Songs haben die Hosen natürlich vor 25 Jahren im Tor 3 nicht gespielt. Heute passen sie jedoch hervorragend zu einer Band, die mittlerweile Kinder in die Welt gesetzt und Angehörige verloren hat. Ebenso wie das Publikum, das mittlerweile mindestens 3 Generationen umfasst. Und trotz aller Reife lässt Campino das Stage-Diving nicht sein – und im Innenbereich ging der Pogo ebenso heftig ab wie in den alten Zeiten. Da dürften einige blaue Flecken und Prellungen zusammengekommen sein.

Die Hosen haben also nichts von dem verloren, was uns damals ins Tor 3 getrieben hat. Sie haben nur viel Lebenserfahrung hinzugewonnen – und geben diese auch weiter. Wenn sie für die israelische Vorband das Lied „Die Moorsoldaten“ anstimmen, welches von Häftlingen im KZ erschaffen wurde, und später mit „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten gemeinsam mit den Fans rechtsradikale Gewalttäter der Lächerlichkeit preisgeben binden sie unaufdringlich wichtige politische Botschaften in die gute Stimmung ein.

Dass es sich um ein Heimspiel der Toten Hosen in ihrer Heimatstadt handelte merkte man spätestens dann, als sie bei einer Zugabe in Trikots der Fortuna auf die Bühne zurückkehrten.

Und zu guter Letzt, nachdem bereits ein von der ausverkauften Halle gemeinsam gesungenes „You’ll never walk alone“ sicher bei dem einen oder anderen Gänsehaut erzeugt hatte, kam der passende Abschluss für dieses grandiose Heimspiel: Andreas „Lumpi“ Lambertz betrat die Bühne, ließ die ganze Halle niedersitzen und stimmte ein „Humba-Humba-Tätärä“ an – auf die Hosen, die Fortuna und Düsseldorf, welches sich hier und heute ganz wunderbar gefeiert hat:

[youtube=http://youtu.be/KMtoW-fWzGg]

Danke an die Toten Hosen für dieses geniale Konzert! Wenn ich überhaupt etwas vermisst habe am gestrigen Abend, dann das eine oder andere Lied aus den alten ZK-Zeiten:

[youtube=http://youtu.be/eUAOASOez20]

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature. Sie finden mich auch bei Facebook, Twitter und Instagram.

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