Demoscene – Kunst nach meinem Geschmack!

Ich hatte Euch ja letztens über meinen Werdegang als Geek berichtet und dabei auch das Thema “Demoszene” gestreift. Hierbei handelt es sich um eine Multimedia-Kunstform, die ihren Anfang in den 80ern auf dem Commodore 64 hatte. Damals wurden viele Spiele mit einem Kopierschutz versehen. Trotzdem gelang es natürlich immer wieder, diesen Kopierschutz zu knacken.  Und die Cracker rühmten und feierten sich dann in einem “Vorspann” vor dem eigentlichen Spiel.

Im Laufe der Zeit trat bei vielen begabten Programmierern, Grafikern und Musikern das Raubkopieren glücklicherweise in den Hintergrund und der ehemalige Vorspann wurde zum Hauptteil ihrer Arbeit. Sie holten mit der Zeit sehr beeindruckende Effekte aus den begrenzten Möglichkeiten der damaligen Hardware, die auch viele Spiele alt aussehen ließen.

Mich haben schon damals diese kleinen Kunstwerke mehr interessiert als die eigentliche Spielerei. Und so beobachtete ich die Entwicklung auch auf dem Amiga und später auf dem PC. Auf diesem kaufte ich mir sogar spezielle Sound-Hardware, die zwar zu den meisten Spielen inkompatibel, aber technisch hervorragend und für die Demoszene ideal war: Die gute alte Gravis Ultrasound.

Zusammen mit meinem Freund @celeph verbrachte ich viele Abende statt mit Spielen oder Videos mit dem Betrachten von Computerdemos. Ein Meilenstein war 1993 die Demo “Second Reality” der finnischen Gruppe “Future Crew”:

 

Bitte beachtet, dass diese Demo damals auf einem 486er mit 0,05 Gigahertz und 0,008 Gigabyte Hauptspeicher problemlos lief – mit Grafikkarten, die ebenso einen Bruchteil der Leistung heutiger Modelle hatten!

Natürlich haben sich die Demos mit der Hardware weiterentwickelt. Eines der Top-Demos der letzten Jahre ist “Lifeforce” von der Gruppe “Andromeda”:

Aber auch hier gilt nach wie vor: Ihr seht keinen vorberechneten Film – die Bilder entstehen live auf Eurem Rechner – das ist die Kunst! Die Software, die diesen über 8 Minuten langen Film erzeugt ist gerade einmal 26,4 Megabyte groß. Als abgespeichertes Video nimmt er ein Vielfaches an Platz ein.

Auf die Spitze getrieben wird das Können der Programmierer in besonderen Wettbewerben, bei denen die Demos nicht mehr als 4000 Byte haben dürfen. Das entspricht 4000 Buchstaben – eine kurze HTML-formatierte e-mail nimmt mehr Platz in Anspruch! Und dennoch gelingt es diesen Künstlern, damit Bilder wie diese in “Texas” von der Gruppe “keyboarders” zu zaubern:

Faszinierend, oder?

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf 2001 wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.