Geek-Nostalgie

Heute abend kam es in meiner Timeline bei Twitter zu einer netten Diskussion über “die guten alten Zeiten”. Auslöser war ein Tweet von @lo64n5.

Prompt erinnerten sich auch andere an ihre ersten Computer, und eine lustige und interessante Diskussion begann.

Ich habe dann eben, als ich mit dem Hund raus war, ebenfalls nochmal meinen Geek-Werdegang Revue passieren lassen …

Es begann wie bei vielen meiner Generation in den frühen 80ern mit einem Commodore 64. Über diese Zeit will ich aber gar nicht viel Worte verlieren, das Gerät habe ich ebenso wie die später folgenden Atari ST und Commodore Amiga im Wesentlichen zum Spielen eingesetzt. Heute nehmen Konsolen wie Wii und Playstation bei den Kids diese Rolle ein. Mein Interesse an Computerspielen war aber nach dieser Zeit nicht mehr besonders ausgeprägt.

Interessant wurde es dann wieder Anfang der 90er. Bei einem Praktikum kam ich mit dem Onlinedienst Compuserve in Berührung und war fasziniert – die Kommunikationsmöglichkeiten mit Foren und Chat haben mich begeistert. Das World Wide Web spielte zu dieser Zeit noch keine Rolle, und so unternahm ich meine ersten Schritte in der Onlinewelt bei diesem aus heutiger Sicht verdammt teuren Onlinedienst (bezahlt wurde in US-Dollar ;-). Erst als ich 1994 mit meinem Studium begann hatte ich erstmals einen “richtigen” Internetzugang. Damals war es noch eine richtige Fummelei, um Windows den Umgang mit dem Internet-Protokoll TCP/IP beizubringen, damit man den Browser Mosaic nutzen konnte – erinnert sich noch jemand von Euch an Trumpet Winsock? Im wesentlichen fand der Zugang zum Internet aber damals in der Uni auf Solaris-Workstations statt. An eine Einwahl von zuhause aus war noch lange nicht zu denken.

Dennoch ging ich damals auch schon zuhause meinem neuen Hobby “DFÜ” nach. Allerdings nicht im Internet, sondern in “Mailboxen”. Mit meinem ersten 14.4 kbps Modem von 1&1 wählte ich mich regelmäßig in eine Mailbox im FidoNet ein. Dieser “Server” war ein ganz normaler PC mit Modem, der an einer Telefonleitung hing. Unser “Browser” war damals das Programm CrossPoint. Meilensteine der Mailbox-Zeit waren die Umstellung auf ISDN (am Anfang eine Riesenfrickelei mit den ersten Produkten der Firma Teles) und die Schnittstelle der Mailbox zum Internet. Nicht nur e-mail und Usenet waren plötzlich möglich, sondern wir konnten sogar – bitte festhalten! – WWW-Seiten per e-mail abrufen!

Den ambitionierten Betreiber der Mailbox lernte ich persönlich kennen und schätzen. Wir hatten ein weiteres gemeinsames Hobby, die Demoscene. Dazu schreibe ich aber später einmal einen separaten Eintrag …

Ende der 90er wurde bei mir die Mailboxnutzung aber immer mehr vom World Wide Web verdrängt. Mittlerweile gab es bessere Browser und meine Uni bot Einwahlnummern per ISDN an. Schon damals konnte ich mir ein Leben ohne Internetzugang kaum noch vorstellen und so war ich ab 1999 auch von Anfang mit DSL am Start. Düsseldorf – dort habe ich zu dieser Zeit gewohnt – zählte glücklicherweise zu den ersten Städten mit DSL und so habe ich für viel Geld den Anschluss gleich bestellt. Ich erinnere mich noch genau wie 2 Telekom-Techniker mit einer Art Notebook anrückten und mehr als eine Stunde lang vor Ort arbeiteten, um das DSL-Modem zu installieren.

Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke frage ich mich, welche Bezeichnung auf mich zutrifft? Ein Digital native bin ich nicht, weil es in meiner Kindheit die ganze Onlinewelt noch nicht gab. Digital Immigrant finde ich aber auch unpassend – denn schließlich habe ich mich nicht erst als Erwachsener in diese digitale Welt begeben, sondern ihre Entstehung intensiv miterlebt. Der Begriff “Digitaler Ureinwohner” beschreibt es vielleicht ganz gut.

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf 2001 wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature.

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