iPhone zerstört sich 3 Monate nach dem letzten Appstore-Einkauf von selbst." – "Na und?

Zugegeben, eine „etwas“ reißerische Überschrift … aber beim Thema Apple kochen die Emotionen halt immer recht hoch. Womit wir auch schon beim Stichwort wären: Ich beobachte nicht erst seit einigen Tagen mit Skepsis und Bedenken, wie bei Apple Verhalten, Konditionen und möglicherweise sogar rechtswidriges Verhalten akzeptiert wird, weil man das Produkt an sich für sehr gut befindet.
Wer jetzt noch weiterliest: Es geht mir keinesfalls um pauschales Apple-Bashing. Ich nutze die Produkte selber sehr, sehr gern. Allerdings finde ich es bedenklich, dass man aus Spaß am Konsum und dem Wunsch, ein Produkt zu nutzen, so bereitwillig seine Rechte einschränken lässt und Dinge in Kauf nimmt, die man in anderen Situationen bzw. bei anderen Herstellern entrüstet von sich weisen würde.
Die älteren Semester werden sich an das Geschrei erinnern, dass damals aufkam, als man feststellte, dass Microsoft-Produkte nach Hause telefonieren. Wohlgemerkt ging es nicht um private Daten, sondern um technische. Da wurden Firewalls aufgerüstet, endlose Diskussionen geführt, usw. Wenn sich nun herausstellt, dass bei einem iPhone Bewegungsdaten (!) erfasst und gespeichert werden, ist die für mich erschreckende Reaktion vieler User: „Na und?“. Wie jetzt „Na und?“ – natürlich nutzen geben wir heute freiwillig vieles preis, da schließe ich als Facebook, Foursquare, Twitter und Wasweissichwas-User mich natürlich nicht aus. Aber es gibt doch einen Unterschied, ob ich dies bewußt tue oder ob es heimlich, ohne für mich erkennbaren Nutzen geschieht? Was erlauben Steve?!
Das Phänomen überträgt sich dann von der unbedingten und offenbar kaum begrenzten Kauflust des Endkunden auf die Geschäftspartner von Apple. Es ist erschreckend zu beobachten, welche Bedingungen Unternehmen bereit sind zu akzeptieren, um Apple-Produkte vertreiben zu „dürfen“.
Wie gesagt, das soll kein Bashing sein. Aber der Versuch, das ganze einmal kritisch zu betrachten. Sind wir wirklich noch Herr unserer Entscheidungen oder hat die Lust an Konsum und Unterhaltung mittlerweile ein bedenkliches Niveau erreicht?

Panem et circenses?Ich habe fertig.

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf 2001 wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature.

6 Responses

  1. Locke sagt:

    Volle Zustimmung.

  2. borttronic sagt:

    Hmm, finde es etwas gefährlich, dass Nachhause-Funken von Windows mit dem Speichern der Bewegungsdaten von Apple zu vergleichen. Das waren "damals" andere Zeiten, auch, weil das Thema damals neu wa – und weil damals sehr viele Nutzer kopierte Software genutzt haben und dementsprechend Angst hatten, dass sie strafrechtlich belangt würden. Wenn man sensibel bezüglich der Datensammlung wäre, dürfte man vor allem keine Google-Services mehr nutzen. Denn Google toppt im Bezug auf Datensammlung sowieso alles.Die Frage ist doch, was ein Unternehmen wie Apple mit den gesammelten Daten anfangen will. Mich stört es tatsächlich wenig, dass Bewegungsdaten gesammelt werden. Denn ehrlich: wenn sich Apple genau für mich interessiert und meine Bewegungen individuell analysiert, dann habe ich es auch verdient ;-)

  3. Michael Fehr sagt:

    @borttronic:Natürlich ist der Sachverhalt nicht vergleichbar, darum ging es mit aber auch nicht. Sondern vielmehr, wie man bei verschiedenen Unternehmen auf die Einschränkung seiner Rechte bzw. Fehlverhalten reagiert.Und das klingt interessanterweise auch bei Dir durch: Warum ist das Sammeln von Daten seitens Google übel, seitens Apple OK?Bei Google ist es zumindest ein relativ fairer Deal: Ich bekomme ein sehr gutes E-Mail-Postfach, Maps, Places, Youtube und weitere Dienste im Gegenzug kostenlos. Bei Apple zahle ich einen Premiumpreis für Premiumprodukte und soll ihnen dennoch unentgeltlich helfen, eine wertvolle Datenbank mit Mobilfunk- und WLAN-Standorten aufzubauen? Wieso?

  4. borttronic sagt:

    Ich finde den Deal bei Google nicht ganz so fair. Google sammelt Daten über das Nutzerverhalten (über Google Search und Google Analytics), sammelt dazu noch inhaltliche Daten (über Google Mail, Google Docs) und auch noch örtliche Daten (Google Maps, Google Street View).Diese Daten kann Google ohne Probleme miteinander matchen (Cookies, IP-Adresse) und auswerten. Besonders, wenn ich dann daran denke, dass Google auch noch an einer DNA-Analyse-Kompanie beteiligt ist… Das finde ich in Summe doch eine ganz andere Qualität als bei Apple.Nicht, dass dadurch das Datensammeln von Apple besser wird, aber Google ist da doch der schlimmere Finger

  5. Sascha sagt:

    Ich finde es bedenklich, allerdings auch nicht dramatischer, als das eh alle Mobilfunkunternehmen unsere Bewegungsdaten loggen und 'natürlich anonymisiert' weiterverkaufen.Beispielsweise zur Verkehrsmessung:http://www.pcwelt.de/ratgeber/Anonymisierte-Handy-Daten-fliessen-in-die-Berechttp://www.teltarif.de/arch/2009/kw04/s32689.htmlErstaunlich finde ich inzwischen nur noch die Überraschung der Nutzer.

  6. Christopher sagt:

    Das wäre ja cool – so ein Armagedon Knopf auf dem iPhone. Ich habe vor 5 Jahren zu Apple gewechselt. Das mit dem Datenschutz und Speicherung der Profile ist mir persönlich egal. Ich habe nichts zu vebergen. Die Geräte von Apple funktionieren einfach. Schade, dass man davor 10 Jahre mit Windows verbracht hat, und jeden dritten Monat wegen Viren und Spyware die Platte formatieren müsste. Dann kam Appe – und der Rechner lief und lief und lief. Daher kann ich (für mich) auf die Frage "Was erlauben Steve" antworten: Egal, Hauptsache er schießt weiterhin die Tore für meine Mannschaft.

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