Android klebt nicht so gut am Finger …

Als ich vor einiger Zeit von Android (Nexus S) auf iOS (iPhone 4S) umgestiegen bin war ich von Anfang an sehr begeistert vom user interface des Smartphones aus Cupertino. Nicht die nur die statische Optik gefiel mir sehr gut, sondern auch die Animationen, das Scrolling usw.

Mein Buddy HaJö brachte es einmal mit der Aussage “Android klebt einfach nicht so gut am Finger” so perfekt auf den Punkt, dass ich seinen Ausdruck einfach mal für den Titel dieses Artikels übernommen habe.

Ich habe nur nie so wirklich verstanden, warum das eigentlich so ist? Zunächst habe ich es auf die Fähigkeiten der Entwickler in Bezug auf Android geschoben – mit dem steigenden Erfolg von Android und unzähligen Apps renommierter Softwareschmieden erschien mir dies aber immer unwahrscheinlicher.

Dann dachte ich mir, mit Honeycomb wird das vielleicht viel besser und bestellte mir ein Asus Transformer Tablet mit leistungsstarker Hardware – und war so negativ überrascht vom Vergleich zum iPad, dass ich das Gerät gleich am nächsten Tag wieder zurückschickte.

Gut – das war aber auch ein Tablet und deren Entwicklung ist vielleicht einfach noch nicht so weit…?

Als ich dann aber kürzlich ein top-aktuelles Motorola Razr bekam und auch dort trotz leistungsstarkem Doppelkern-Prozessor und guter Performance-Benchmarks eine deutlich weniger “smoothes” user-interface vorfand – und zwar bei so ziemlich allen Apps – sowohl bei den vorinstallierten als auch bei solchen mit iOS-Pendant – wollte ich endlich in Erfahrung bringen, warum dem so ist.

Here’s Why Android’s UI Will Never Be As Smooth As iOS Or Windows Phone 7

Dort wird zunächst als Auslöser der Diskussion die Google-Entwicklerin Dianne Hackborn mit einem Beitrag in Google+ zitiert. In diesem wollte sie mit einigen Fehlinformationen zu Android aufräumen, bei denen es vor allem um die Nutzung Hardware-Beschleunigung in Android geht, welche wohl seit Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) standardmäßig genutzt wird. Dennoch kommt sie zum Fazit, das selbst mit leistungsfähiger Tegra 2 Hardware das user interface nicht immer von der Hardware-Beschleunigung profitieren kann.

Technisch alles interessant (und teils über meinen Horizont hinaus) – völlig zu Recht stellte daraufhin aber der Student Andrew Munn, ehemaliger Praktikant bei Google und jetzt bei Microsoft in der Entwicklung von Windows Phone 7 beschäftigt, die Frage:

“Warum ist Android “laggy”, während iOS, Windows Phone 7, QNX und WebOS so flüssig scrollen?”

um sie dann gleich selbst in diesem Google+-Beitrag zu beantworten.

Seine Erklärung dafür, dass selbst ein älteres iPhone 3GS trotz schwächerer Hardware eine deutlich flüssigere Bedienung ermöglicht als top-aktuelle Android Smartphones:

UI rendering processes in iOS occur with dedicated threads with real-time priority whereas on Android, UI rendering processes occur along with the main thread with normal priority. Whenever an iOS devices detects touch, it stops other processes and focuses all attention to rendering the UI. Android devices don’t do this, instead general processing and UI rendering occurs concurrently which results in choppy UI.

Diese Aussagen passen zu der o.a. von HaJö, wurden aber zwischenzeitlich sowohl von Dianne Hackborn als auch von Square-CTO Bob Lee korrigiert. Bob’s Fazit: Es ist sehr wohl möglich, eine ähnliche user experience wie unter iOS zu erreichen. Allerdings sei dies unter Android deutlich schwieriger.

Ich kann das alles nicht beurteilen oder überprüfen. Spannend zu lesen ist es aber allemal – wenn man sich für die Technik interessiert. Ebenso spannend bleibt aber auch die Frage, wann Android wirklich einmal eine vergleichbare user experience auf breiter Basis erreicht. Aktuell ist es davon noch weit entfernt, wie ich (mit Bedauern) täglich feststelle.

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf 2001 wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature.

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