Google+ auf den 2. oder 3. Blick

Es juckt mir schon seit dem Start von Google+ in den Fingern, darüber zu bloggen. Zum einen fehlte mir aber die Zeit dazu, zum anderen wollte ich es mir dann doch erst einmal in Ruhe anschauen, bevor ich mir ein öffentliches Urteil bilde. Nachdem dann aber heute der gute Nico einen lesenswerten Artikel bloggte, der sich an vielen Stellen mit meiner Meinung deckt, schreibe ich meine ersten Eindrücke nun doch mal auf. Was mir gut gefällt ist neben dem im Vergleich zu Facebook aufgeräumteren und ansprechenderen Design vor allem das Konzept der asymmetrischen Beziehung der User untereinander. Im Gegensatz zu Facebook muss man nicht gegenseitig eine “Freundschaft” eingehen, sondern kann ähnlich wie Twitter interessanten ohne deren Bestätigung Leuten folgen. Im Vergleich zu Twitter überzeugt mich das Konzept der Circles aber deutlich mehr: Während ich mich bei Twitter entscheiden muss, ob ich eine Nachricht mit der ganzen Welt oder aber einem (und nur einem) definierten Kreis von Usern teile kann ich dies bei Google+ deutlich besser feinsteuern: Ich kann mühelos eine allgemeine Nachricht mit der ganzen Welt und ein Party-Foto nur mit den engsten Freunden teilen, in dem ich die jeweiligen Zielgruppen (Circles) beim Verfassen der Nachricht angebe. Das ist toll und eines der Dinge, die mich bei Twitter am meisten nervt – und bei vielen Leuten zur Einrichtung von Zweitaccounts führt. Habe ich jetzt auch wieder eine Zeitlang probiert, diese schizophrene Lösung gefällt mir aber einfach nicht! Was mir weniger gut gefällt ist die geringe Menge an Informationen, die mir auf der Website und auch in der mobilen App auf einen Blick präsentiert wird. Da orientiert sich Google+ meines Erachtens zu sehr an Facebook, welches ich u.a. aus diesem Grund deutlich seltener als Twitter nutze. Von den schlimmen Morden in Oslo gestern oder vom Tod der Sängerin Amy Winehouse heute habe ich via Twitter recht schnell erfahren, weil ich immer wieder mal einen Blick in meine Timeline geworfen habe und auf einen Blick viele, in maximal 140 Zeichen kurz gefasste Nachrichten erfassen konnte. Bei Facebook und auch bei Google+ ist das einfach nicht möglich, dafür nehmen die eingeblendeten Medien und Kommentare viel zu viel Raum ein. Bei Twitter wiederum sehe ich Fotos, Videos und die Inhalte von Links nur dann, wenn ich glaube, dass sie mich interessieren könnten. Hier ein zufälliger Blick in meine Timelines im Browser zum Vergleich: Facebook: 2 Einträge sind auf einem Blick zu erkennen Google+: Ebenfalls nur 2 Einträge auf einen Blick Twitter: Immerhin 7 Einträge auf einen Blick!  In den mobilen Apps ist das Verhältnis ganz ähnlich. Und da sich mit der Zeit auch das Verhältnis von interessanten zu uninteressanten Meldungen angleichen wird ist Twitter hier meines Erachtens klar im Vorteil. Ich gehe daher zur Zeit davon aus, dass meine Facebook-Nutzung weiter zurückgehen wird und ich es es mehr oder weniger als Networking-Tool für die Kontaktpflege nutzen, nicht aber die Timeline dort regelmäßig verfolgen werde. Für Google+ habe ich Hoffnung, dass sich vieles noch verbessern wird. Schließlich hört Google im Gegensatz zu Facebook zu und geht auf die Wünsche der Nutzer ein, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen und nur hier und da einen Rückzieher zu machen. Ich würde mir wünschen, dass man in der Timeline von Google+ standardmäßig alle Medien und Kommentare ausblenden sowie bei langen Einträgen eine Vorschau nutzen könnte, damit es übersichtlicher wird. Denn die weiteren Features wie z.B. Hangouts oder der automatische Upload der Fotos vom Smartphone sind klasse – aber kein ausreichender Grund für die Nutzung. Das für mich wichtigste und meistgenutzte Medium wird aber erst einmal Twitter bleiben, bei dem ich durch die standardmäßige Integration in iOS 5 noch einmal einen deutlich Nutzungsanstieg und eine höhere Verbreitung erwarte.

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature. Sie finden mich auch bei Facebook, Twitter und Instagram.

4 Antworten

  1. js79 sagt:

    Nette Screenshots, wer ist denn da der geile Typ mit dem attraktiven Hund *lol*, ich persönlich mag Google+, man bekommt schnell eine Antwort und die Resonanz und die Aktivität dort ist aktuell noch recht hoch, das wird sich sicherlich ändern. Bei Twitter und bei Facebook bleibe ich natürlich auch noch…

  2. ugeez sagt:

    hi, toller Artikel… ich bin auch neu und wage deshalb noch nicht sehr viel aber ich muss dir recht geben… durch Twitter erfahre ich zum großen teil dinge, die ich nicht einmal in den nachrichten zu sehen bekomme … es kommt halt darauf an welchen menschen man folgt …

    du kannst ja mal bei mir vorbeischauen … ich interessiere mich zufällig für die fast selben Themen …

    lg ugur

  3. iKa sagt:

    Die Idee mit der Beitragsvorschau finde ich gut, wobei meine Begeisterung für G+ nach anfänglicher Euphorie doch stark zurück gegangen ist. Ich behalt's im Auge… ;)

  4. Social Media reloaded | The Kleinenbroicher sagt:

    […] Auslöser war zunächst, dass mit Google+ eine neuer, ernstzunehmender Player den Markt betrat, dessen Ansätze mir ziemlich gut gefallen. Dann hatte ich während meines Urlaubs teils freiwillig, teils aufgrund mangelnder Netzversorgung […]

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