Schlagwort: Familie

  • "Peter, Ida und Minimum" – Aufklärung nett gemacht!

    Die sexuelle Aufklärung unserer Kinder ist auch heute noch ein Thema, welches man nicht so locker angeht wie viele andere. Zwar dürfte der Grund dafür heutzutage (hoffentlich) nicht so sehr mehr in der Tabuisierung des Themas Sexualität und entsprechend verklemmten Eltern zu finden sein. Dennoch waren auch wir uns unsicher, wann man dem Kinde was und vor allem wie erzählt. Daher haben wir uns lange an das Motto gehalten, dem Kind offen zu antworten, wenn es fragt – das Thema aber nicht künstlich zu forcieren.

    Spätestens wenn die Kinder in die Schule kommen sollten sie aber aufgeklärt sein bzw. werden. Was aber, wenn das Kind immer noch nicht fragt? Dann sollten die Eltern tatsächlich die Initiative übernehmen. Nicht nur aus dem Grund, der mir lange Zeit ein wenig Sorge bereitete: Dass das Kind durch andere Kinder mittels Halbwissen und Albernheiten "aufgeklärt" wird und ggf. aus Scham gar nicht mehr fragt. 
    Sondern auch aus einem anderen wichtigen Grund, den ich kürzlich in einem Vortrag des Kommissariats Vorbeugung der Polizeibehörde des Rhein-Kreises Neuss zu dem Thema "Wie schütze ich mein Kind vor Übergriffen" erfahren habe: Unsere Kinder, die ab dem Schulalter immer mehr Zeit außerhalb der Obhut der Eltern verbringen, müssen wissen, was Sexualität ist, damit sie in der Lage sind zu erkennen, welches Verhalten von Älteren ihnen gegenüber in Ordnung ist – und welches nicht.
    Diesen Aspekt hatte ich bisher ehrlich gesagt gar nicht in Erwägung gezogen. Und da unser Jüngster dieses Jahr auch schon eingeschult wird, aber überhaupt noch kein Interesse am Thema Sexualität zeigte, war ich sehr dankbar für einen Literaturtipp der referierenden Kriminalhauptkommissarin:
    "Peter, Ida und Minimum: Familie Lindström bekommt ein Baby" von Grethe Fagerström ist ein schönes Buch, das im Comicstil erzählt (und liebevoll illustriert), was unsere Kinder zum Thema Fortpflanzung wissen sollten. Damit gelingt ohne große Einleitungen der Einstieg zum Thema Aufklärung, und neben dem Thema Sexualität wird auch der Geburtsvorgang sehr schön beschrieben.
  • Sternsingen

    Man kann nicht sagen, dass ich mit der Kirche als Institution besonders viel am Hut habe. Ich bin zwar gläubig, aber ich sehe vieles, das im Namen der Kirche (insbesondere der katholischen, der ich angehöre) geschah und geschieht, kritisch.
    Es gibt aber auch vieles, das durch oder mit der Kirche passiert, das ich gut finde. Das ich nicht missen möchte. Kirche ist meines Erachtens immer dann gut, wenn sie direkt und unmittelbar den Menschen dient. Mit Werten, die kein Selbstzweck sind oder der Manifestation eines Machtanspruchs dienen. Von Menschen für Menschen halt. Als Gemeinschaft, nicht als Organisation.
    Heute hat mein größerer Sohn zum ersten Mal beim Sternsingen mitgemacht.
    Es war schön und ein Erfolg in vielerlei Hinsicht:

    • Für seine Freunde und ihn, weil es ihnen Spaß gemacht hat und sie mit vielen Süßigkeiten eingedeckt wurden.
    • Für viele Leute, bei denen sie geklingelt haben und die sich teilweise richtig gefreut haben. Manchen hatten sogar in Abwesenheit das Geld (und Süßigkeiten) vor der Tür deponiert.
    • Für den guten Zweck, weil wirklich einiges gespendet wurde, wie wir am Abend erfahren haben.
    • Und nicht zuletzt für mich, weil ich zum einen stolz bin auf meinen Sohn und zum anderen sehe, dass hier bei uns in Kleinenbroich noch ein wenig heile Welt herrscht..

    Übrigens stehen die Buchstaben in der Schrift, die an die Häuser angebracht wird, offiziell nicht (mehr)  für die Namen der heiligen drei Könige CasparMelchior und Balthasar, sondern für „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“). Aber ich finde, das ist auch völlig unerheblich. Wichtig ist meines Erachtens, dass hier nach dem Geschenke-Wahnsinn zu Weihnachten und ausschweifenden Silvester-Parties zu Beginn des Jahres auch einmal an jene gedacht wird, denen es nicht ganz so gut geht wie uns.

  • Wieviel Sicherheit für Schulkinder kann sich die Stadt Korschenbroich leisten?

    Mein größerer Sohn besucht die Maternus-Grundschule in Kleinenbroich, der kleinere wird ihm nächstes Jahr folgen. Auf dem Schulweg müssen sie neben kleineren, kaum befahrenen Seitenstraßen auch die Straße “Am Hallenbad” überqueren. Diese Straße ist eine von dreien im nördlichen Teil Kleinenbroichs, die eine Überquerung des “Jüchener Bachs” ermöglichen:

    Karte von Kleinenbroich

    Daher hat sie durchaus den Charakter einer Durchfahrtsstraße für die Bewohner des Ortsteils, auch wenn sie auf 30 km/h begrenzt ist. Glücklicherweise befindet sich direkt vor dem Eingang der Grundschule eine Ampel bzw. eine “Fußgängersignalanlage”, wie der Fachmann sagt. Diese ist jedoch nicht fest installiert, es handelt sich um eine mobile Ampel, eigentlich eine Art Provisorium:

    Nun gab es gegen dieses Provisorium schon seit einiger Zeit Proteste seitens des Bürgerforums Kleinenbroich. Denn eine solche mobile Ampel belegt einigen Platz auf dem Bürgersteig, dieser wird teilweise auf ca. 30 cm eingeengt. Seit Jahren drängt das Bürgerforum die Stadt, diese „Verkehrshindernisse“ und „verkehrswidrigen Zustände“ zu beseitigen.

    Aktuell kommt Bewegung in die Sache – und als naiver Bürger könnte man meinen, alles ändert sich im Sinne des Gemeinwohls und vor allem der Verkehrssicherheit. Tatsächlich ist der Auslöser jedoch ein ganz profaner: Die Herstellerfirma hat die Stadt Korschenbroich als Eigentümer und Betreiber der Ampel darüber in Kenntnis gesetzt, dass Ersatzteile für dieses Modell nur noch sehr begrenzt zur Verfügung stehen. Und da dem städtischen Haushalt wohl die Mittel für den Bau und den Betrieb einer stationären Anlage fehlen hat man nun die Absicht, die Ampel abzubauen, den Gehweg punktuell zu verbreitern und somit die Fahrbahn soweit zu verengen, dass nur jeweils ein Fahrzeug gleichzeitig die Stelle passieren kann.

    Nun bin ich kein Fachmann für Verkehrssicherheit, aber es fehlt mir der Glaube, dass eine derartige Lösung ausreichende Sicherheit insbesondere für Grundschüler, die oftmals mit Schulbeginn ihre ersten selbständigen Schritte im Straßenverkehr zurücklegen, bietet. Diese Zweifel werden noch deutlich verstärkt, wenn ich in dem bereits oben erwähnten Artikel der Rheinischen Post vom 27.03.2008 folgenden Standpunkt der Stadt zum vorgeschlagenen Bau eines Zebrastreifens lese:

    Das Tiefbauamt berichtet in Ratsausschüssen darüber, dass Zebrastreifen heutzutage als unsicher gelten, weil Autofahrer immer seltener davor anhalten.

    Da fragt man sich natürlich, woher der plötzliche Sinneswandel bei der Stadt kommt. Es ist doch sicherlich nicht so, dass das Argument der Verkehrssicherheit hier jahrelang nur vorgeschoben wurde, um Investitionen zu vermeiden, oder?

    Des Weiteren frage ich mich, wie man die vorgeschlagene Lösung ohne den zusätzlichen Bau von Straßenbeleuchtung als sicheren Schulweg interpretieren kann. Ich habe die Ampel einmal nach Einbruch der Dunkelheit, also in den Lichtverhältnissen, die sich den Kindern in der dunklen Jahreszeit morgens bieten, fotografiert. In etwa vom gleichen Punkt aus:

    Natürlich nimmt das menschliche Auge einige Konturen zusätzlich wahr – aber es dürfte klar werden, worauf ich hinaus möchte.

    Wenn man aber zusätzliche Straßenbeleuchtung errichten müsste – wie sehe dann die Vergleichsrechnung zum Bau einer stationären Ampel aus? Als Vater würde mich interessieren, ab wann ein Schulweg als “ausreichend sicher” gilt? Und als Controller – sozusagen unter Kollegen – welche maximal zulässigen Kosten man hier pro Prozentpunkt in der Unfallstatistik im Business Case ansetzt …

    Auch bei Autofahrern und Anwohnern dürfte die Verengung der Fahrbahn auf nur eine Spur auf wenig Gegenliebe stoßen. Zum einen hat die Straße am Hallenbad wie beschrieben einen gewissen Durchfahrtsstraßen-Charakter. Zum anderen befinden sich in unmittelbarer Nähe zusätzlich noch ein Kindergarten, ein großer Sportplatz, der Verein AFB – Aktion Freizeit Behinderter, eine Mehrzweckhalle, in der regelmäßig Vereins- und Schulsport sowie Trödelmärkte usw. stattfinden, sowie ein Spiel- und ein Bolzplatz. Im Berufsverkehr und bei größeren Veranstaltungen dürfte es hier also schnell chaotisch werden, wenn nur jeweils ein Auto die Straße an der Engstelle passieren kann.

    Es ist allerdings nicht so, dass in Korschenbroich nicht auch in diesem Jahr in die Verkehrssicherheit investiert wurde. Seit einigen Monaten ist jede erdenkliche Fußgängerüberquerung mit speziellen Pflastersteinen für Sehbehinderte versehen:

    Aber Moment, ich erinnere mich … das wurde ja aus den Mitteln des Konjunkturprogramms finanziert:

    Wie kann es sein, dass hier umfangreich investiert wurde und nun für die Aufrechterhaltung der Schulwegsicherheit keine Mittel zur Verfügung stehen? Haben Schulkinder einfach keine ausreichende Lobby oder lediglich das Pech, aus dem falschen Topf von Steuergeldern bedient zu werden?

    Ich bin gespannt, wie sich dieser Sachverhalt weiter entwickelt. Gerne würde ich an dieser Stelle über das Ausräumen meiner Bedenken durch eine überzeugende Lösung im Sinne aller Beteiligten berichten.

  • Aufruf zum Streik!

    Aufgrund verschiedener Beobachtungen, Unterhaltungen und Erlebnisse in den letzten Tagen und nicht zuletzt aufgrund einer anregenden Diskussion mit der lieben Frederike möchte ich hier einmal mehr meinen Gedanken freien Lauf lassen.

    Disclaimer: Dies wird kein durchweg sachlicher Beitrag befürchte ich … ;-)

    Aber worum geht es mir eigentlich? Nun, mich ärgert es einfach nach wie vor (und immer mehr) wie wenig Arbeit wertgeschätzt wird, solange es sich nicht um eine Erwerbstätigkeit handelt. Also z.B. im Falle ehrenamtlicher Arbeit – oder natürlich bei der unschätzbar wertvollen Erziehungsarbeit als Mutter (oder Vater), mit allem was dazu gehört.

    In den letzten Tagen hatte ich zweimal die seltene Gelegenheit, meine Kids vom Sport abzuholen. Dabei ist mir nicht nur einmal mehr bewusst geworden, wie viel ich von meinen Kindern verpasse als viel und lange arbeitender, diplomierter “Leistungsträger” dieser Gesellschaft. Vielmehr war ich auch einmal mehr froh, dass es noch Leute gibt, die ehrenamtlich oder für kleinstes Geld bereit sind, mit unseren Kindern zu trainieren, ihnen Schwimmen beizubringen usw. Wer aber würde an diese Leute denken, wenn wir über die Leistungsträger der Gesellschaft reden? Da hat man immer nur den Business-Kasper vor Augen, den Großmeister des Buzzword-Bingo, der die “richtige Arbeit” macht …

    Wie aber wäre es um unseren Wohlstand bestellt ohne all die Leute, die nicht rund um die Uhr im Auftrag eines Arbeitgebers unterwegs sind? Was würde laufen ohne sie? In meinen Augen nicht viel und vieles nicht. Da ich persönlich das Gefühl einiger Mütter kenne, die sich beinahe ein wenig dafür schämen, nicht so schnell wie möglich wieder “arbeiten zu gehen” (wobei natürlich nur bezahlte Arbeit zählt!), möchte ich einmal ein paar Beispiele aufzählen, auf die wir bzw. unsere Kinder dann verzichten müssten. Dinge, die das Personal der Kindertagesstätten und Schulen alleine gar nicht leisten kann:

    • Bundesjugendspiele
    • Ausflüge von KiTa-Gruppen
    • Diverse Handwerksarbeiten und Projekte wie z.B. Bau der Martinsfackeln
    • schuleigene Bibliotheken für die Kinder
    • Gesunde Ernährung in Schulen wie z.B. das Obst-Projekt der EU
    • kleine Lesegruppen im Förderunterricht
    • Schulfeste, Tage der offenen Tür, Martinszüge
    • und und und …

    Oder erinnern wir uns doch einmal an die unzähligen Einsätze der Hilfsdienste bei Sturm und Überschwemmungen in den letzten Wochen. Hand auf’s Herz: wie viele meiner Akademiker-Kollegen waren denn dort die ganze Nacht durch im Einsatz bei der freiwilligen Feuerwehr oder beim THW? Wenn die Kacke mal richtig am Dampfen ist und existentielle Not herrscht werden auf einmal ganz andere zu Leistungsträgern der Gesellschaft! Klar, kurzfristig werden sie dann auch hochgelobt – aber wird ihre Arbeit im Alltag denn wirklich ausreichend wertgeschätzt?

    Aber nicht nur ehrenamtliche Arbeit oder der freiwillige Dienst von Eltern wird völlig unter Wert gehandelt in unserer Gesellschaft. Schauen wir uns doch einmal die Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen an – erst wenn der eigene Arsch nicht mehr komfortabel im Bürostuhl sitzt, sondern permanent durch Umlagerung vor einem Dekubitus bewahrt werden muss, merken manche Leute, welche großartige Arbeit dort geleistet – und leider völlig unter Wert bezahlt – wird.

    Wenn ich dann lese, dass unsere capitalistisch-liberale schwarz-gelbe Bundesregierung die privaten Krankenversicherungen im Kampf um Gutverdiener stärken will könnte ich kotzen! Damit sich noch mehr Leute der sozialen Verantwortung entziehen können und unser Kassensystem immer weniger Leistung für die gesetzlich Versicherten erbringen kann? Genau, und aus dem Grund senken wir direkt auch noch die Kosten der privaten Krankenversicherungen. Schließlich muss die Mitgliedschaft in so einem elitären Club ja auch richtige Vorteile bieten!

    Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab … kommen wir zurück zum Titel dieses Beitrags: Ich schlage vor, dass all die ehrenamtlich Tätigen in dieser Gesellschaft, all die inoffiziell im Erziehungssystem aktiven Eltern, all die freiwilligen Hilfsdienste einmal für ein paar Monate in den Streik treten. Nicht für mehr Geld, sondern einfach um dem Rest dieser Gesellschaft einmal zu zeigen, wo er ohne sie wäre: am Arsch!