Wieviel Sicherheit für Schulkinder kann sich die Stadt Korschenbroich leisten?

Mein größerer Sohn besucht die Maternus-Grundschule in Kleinenbroich, der kleinere wird ihm nächstes Jahr folgen. Auf dem Schulweg müssen sie neben kleineren, kaum befahrenen Seitenstraßen auch die Straße “Am Hallenbad” überqueren. Diese Straße ist eine von dreien im nördlichen Teil Kleinenbroichs, die eine Überquerung des “Jüchener Bachs” ermöglichen:

Karte von Kleinenbroich

Daher hat sie durchaus den Charakter einer Durchfahrtsstraße für die Bewohner des Ortsteils, auch wenn sie auf 30 km/h begrenzt ist. Glücklicherweise befindet sich direkt vor dem Eingang der Grundschule eine Ampel bzw. eine “Fußgängersignalanlage”, wie der Fachmann sagt. Diese ist jedoch nicht fest installiert, es handelt sich um eine mobile Ampel, eigentlich eine Art Provisorium:

Nun gab es gegen dieses Provisorium schon seit einiger Zeit Proteste seitens des Bürgerforums Kleinenbroich. Denn eine solche mobile Ampel belegt einigen Platz auf dem Bürgersteig, dieser wird teilweise auf ca. 30 cm eingeengt. Seit Jahren drängt das Bürgerforum die Stadt, diese „Verkehrshindernisse“ und „verkehrswidrigen Zustände“ zu beseitigen.

Aktuell kommt Bewegung in die Sache – und als naiver Bürger könnte man meinen, alles ändert sich im Sinne des Gemeinwohls und vor allem der Verkehrssicherheit. Tatsächlich ist der Auslöser jedoch ein ganz profaner: Die Herstellerfirma hat die Stadt Korschenbroich als Eigentümer und Betreiber der Ampel darüber in Kenntnis gesetzt, dass Ersatzteile für dieses Modell nur noch sehr begrenzt zur Verfügung stehen. Und da dem städtischen Haushalt wohl die Mittel für den Bau und den Betrieb einer stationären Anlage fehlen hat man nun die Absicht, die Ampel abzubauen, den Gehweg punktuell zu verbreitern und somit die Fahrbahn soweit zu verengen, dass nur jeweils ein Fahrzeug gleichzeitig die Stelle passieren kann.

Nun bin ich kein Fachmann für Verkehrssicherheit, aber es fehlt mir der Glaube, dass eine derartige Lösung ausreichende Sicherheit insbesondere für Grundschüler, die oftmals mit Schulbeginn ihre ersten selbständigen Schritte im Straßenverkehr zurücklegen, bietet. Diese Zweifel werden noch deutlich verstärkt, wenn ich in dem bereits oben erwähnten Artikel der Rheinischen Post vom 27.03.2008 folgenden Standpunkt der Stadt zum vorgeschlagenen Bau eines Zebrastreifens lese:

Das Tiefbauamt berichtet in Ratsausschüssen darüber, dass Zebrastreifen heutzutage als unsicher gelten, weil Autofahrer immer seltener davor anhalten.

Da fragt man sich natürlich, woher der plötzliche Sinneswandel bei der Stadt kommt. Es ist doch sicherlich nicht so, dass das Argument der Verkehrssicherheit hier jahrelang nur vorgeschoben wurde, um Investitionen zu vermeiden, oder?

Des Weiteren frage ich mich, wie man die vorgeschlagene Lösung ohne den zusätzlichen Bau von Straßenbeleuchtung als sicheren Schulweg interpretieren kann. Ich habe die Ampel einmal nach Einbruch der Dunkelheit, also in den Lichtverhältnissen, die sich den Kindern in der dunklen Jahreszeit morgens bieten, fotografiert. In etwa vom gleichen Punkt aus:

Natürlich nimmt das menschliche Auge einige Konturen zusätzlich wahr – aber es dürfte klar werden, worauf ich hinaus möchte.

Wenn man aber zusätzliche Straßenbeleuchtung errichten müsste – wie sehe dann die Vergleichsrechnung zum Bau einer stationären Ampel aus? Als Vater würde mich interessieren, ab wann ein Schulweg als “ausreichend sicher” gilt? Und als Controller – sozusagen unter Kollegen – welche maximal zulässigen Kosten man hier pro Prozentpunkt in der Unfallstatistik im Business Case ansetzt …

Auch bei Autofahrern und Anwohnern dürfte die Verengung der Fahrbahn auf nur eine Spur auf wenig Gegenliebe stoßen. Zum einen hat die Straße am Hallenbad wie beschrieben einen gewissen Durchfahrtsstraßen-Charakter. Zum anderen befinden sich in unmittelbarer Nähe zusätzlich noch ein Kindergarten, ein großer Sportplatz, der Verein AFB – Aktion Freizeit Behinderter, eine Mehrzweckhalle, in der regelmäßig Vereins- und Schulsport sowie Trödelmärkte usw. stattfinden, sowie ein Spiel- und ein Bolzplatz. Im Berufsverkehr und bei größeren Veranstaltungen dürfte es hier also schnell chaotisch werden, wenn nur jeweils ein Auto die Straße an der Engstelle passieren kann.

Es ist allerdings nicht so, dass in Korschenbroich nicht auch in diesem Jahr in die Verkehrssicherheit investiert wurde. Seit einigen Monaten ist jede erdenkliche Fußgängerüberquerung mit speziellen Pflastersteinen für Sehbehinderte versehen:

Aber Moment, ich erinnere mich … das wurde ja aus den Mitteln des Konjunkturprogramms finanziert:

Wie kann es sein, dass hier umfangreich investiert wurde und nun für die Aufrechterhaltung der Schulwegsicherheit keine Mittel zur Verfügung stehen? Haben Schulkinder einfach keine ausreichende Lobby oder lediglich das Pech, aus dem falschen Topf von Steuergeldern bedient zu werden?

Ich bin gespannt, wie sich dieser Sachverhalt weiter entwickelt. Gerne würde ich an dieser Stelle über das Ausräumen meiner Bedenken durch eine überzeugende Lösung im Sinne aller Beteiligten berichten.

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf 2001 wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature.

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