Schlagwort: Politik

  • Die Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2012: Anke Engelke

    Das war er also, der Eurovision Song Contest 2012. Wie immer konnten alle, die in Erdkunde in der Schule nicht gut aufgepasst haben, Ihre Kenntnisse bei der Punktevergabe auffrischen.

    Die meisten Punkte gingen an Schweden, der deutsche Vertreter Roman Lob konnte sich über einen respektablen 8. Platz freuen.

    Der mit Abstand beste Beitrag kam allerdings nicht von einem Teilnehmer, sondern von Anke Engelke, die die deutschen Punkte übermittelte. In Ihrer Begrüßung ließ sie es sich nicht nehmen, die folgende Botschaft zu übermitteln:

    “Isn’t it great to be able to vote? Good luck on your journey, Europe is watching you, Azerbaijan!”

    Danke, Anke!

  • Occupy Wallstreet, Gaucks Senf dazu – und mein Erbrochenes.

    Ich wollte mich ja eigentlich nicht zu diesem Thema äußern, weil mich polarisierende politische Diskussionen mittlerweile nerven. Fast so sehr wie die Politiker, die sich – ohne Rücksicht darauf, ob sie gefragt wurden – nach vorne drängen um sich zu äußern.

    Und nun auch noch Gauck. Für die BILD-Leser Jüngeren unter uns: Das ist der Mann, der vor allem bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit große Verdienste hat und sich später zunächst von schwarz, dann von rot-grün hat vor den Karren spannen lassen.

    Nicht, dass ich seine Verdienste nicht anerkennen würde. Aber schon beim Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten ist mir ein wenig übel aufgestoßen, dass ihm – meiner ganz persönlichen Meinung nach – mehr Weisheit zugeschrieben wurde als gerechtfertigt ist. Er ist ein Mensch mit Werten und Charakter – davor habe ich Hochachtung. Aber er ist für mich kein weltpolitischer Stratege. Und ich habe immer noch den – möglicherweise naiven – Anspruch, dass große Politiker Vollprofis wie Helmut Schmidt sein sollten. Und den sehe ich in ihm nicht ansatzweise.

    Daher frage ich mich auch, aufgrund welcher finanzpolitischen Erfahrung er sich zu den aktuellen Protesten äußern möchte – und was wir hier von seinen Erfahrungen aus der DDR lernen können?

    In Anspielung auf die DDR erklärte er: „Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.“ Es sei zu bezweifeln, dass die Bankeinlagen sicherer wären, wenn die Politiker in der Finanzwirtschaft das Sagen hätten.

    Wenn er etwas zur Sache beitragen möchte, dann soll er lieber zu den Ursachen dieser Bewegung Stellung nehmen, auf die Nico Lumma heute hingewiesen hat. Die in seinem Beitrag verlinkte Infografik der NY Times zeigt meines Erachtens hervorragend auf, was ich persönlich für eine sehr große gesellschaftliche Gefahr halte: Die seit den 80ern immer weiter klaffende Schere zwischen der Entwicklung von Produktivität und Lohn.

    Ich bin mir sicher: wenn man das Thema nicht angeht und löst, wird es eines Tages – sorry für den Ausdruck – wieder richtig was auf die Fresse geben. Weltweit, hier vielleicht etwas später, weil es uns verhältnismäßig gut geht. Aber sozialer Unfrieden mit extremen Szenarien wie zur französischen Revolution sind keine Spukgeschichten aus der Vergangenheit – sie sind jederzeit wieder möglich, wenn die zwischenzeitlich erreichten Prinzipien sozialer Ausgewogenheit bedenkenlos über den Haufen geworden werden. Und dann nützt dem Großbanker auch sein Panzerwagen nix mehr.

  • Die Notwendigkeit der Debatte um den Atomausstieg – oder: Wahrscheinlichkeit vs. Erwartungswert

    Nein, ich schaffe es nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten, ich muss meinen Senf dazu abgeben. Sorry. ;-)
    Als ich heute nach dem Frühstück diesen Artikel bei Spiegel Online las kam mir fast das gerade erst genüsslich zu mir genommene Lachsbrötchen hoch. Und das lag nicht an dessen Bekömmlichkeit, sondern an Aussagen wie diesen:

    „Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar“. (Deutsches Atomforum)
    „Selbst wenn die Dieselgeneratoren versagen, geht man davon aus, dass man innerhalb von 24 Stunden Strom an die Anlage bekommt“ (Joachim Knebel vom Karlsruher Institut für Technologie)
    „Deutsche Kernkraftwerke sind gegen die bei uns zu erwartenden Erdbeben ausgelegt“ (Jürgen Maaß vom Bundesumweltministerium)

    Aha. Soso. „… nicht vorstellbar …“, „… geht man davon aus …“, „bei uns zu erwartenden …“.
    Ja, Himmel Arsch und Zwirn!, will denn ernsthaft jemand behaupten, die Japaner hätten mit einem solch starken Erdbeben oder einer Verkettung dieser Umstände gerechnet und ihre Kernkraftwerke bewusst niedriger ausgelegt? Und letztlich hat nicht unmittelbar das Erdbeben oder der Tsunami zum nuklearen Notfall geführt, sondern der Stromausfall! Denkbare Ursachen für einen Stromausfall inkl. Ausfall der Notstromsysteme gibt es aber leider auch im angeblich sicheren Deutschland. In diesem Zusammenhang möchte aus diesem Blogartikel bei Frontmotor zitieren:

    Als vermeintliche Islamisten am 11. September ein Flugzeug ins WTC steuerten, konnte der „Missbrauch der Ereignisse für politische Zwecke“ gar nicht groß genug sein. Da wurden keine Nebelkerzen gezündet, dass der 11. September „bei uns so nicht passieren könne“, etwa weil wir gar kein World Trade Center haben“. Nein, da genügte die geringste Ähnlichkeit, das geringste Indiz für massivste Einschränkungen und Ausbauten des Überwachungsstaates.

    Dass das Kölner Stadtarchiv wegen des U-Bahn-Baus zusammenbricht hat auch niemand für möglich gehalten. Und dann kamen ein paar böse Buben und haben abweichend vom theoretischen Modell die Spielregeln geändert, in dem sie einfach Stahl geklaut statt verbaut haben! Was, wenn ein paar noch bösere Buben die Spielregeln beim Betrieb eines AKW ändern?
    Was man sich vorstellt, wovon man ausgeht, was man erwartet ist immer nur das Ergebnis eines Modells, dass man aufstellt. Leider kann man aber weder alle Eventualitäten berücksichtigen noch alle Rahmenbedingungen kontrollieren.
    „Erwartung“ ist in diesem Zusammenhang ein gutes Stichwort. Aus der Stochastik kennen wir den Begriff des Erwartungswerts: „Der Erwartungswert einer Zufallsvariablen ist jener Wert, der sich (in der Regel) bei oftmaligem Wiederholen des zugrunde liegenden Experiments als Mittelwert der Ergebnisse ergibt.“ Wenn man bei einem Glücksspiel abschätzen möchte, wieviel Geld man nach einer größeren Anzahl an Runden in der Tasche hat, ist eben nicht nur die Wahrscheinlichkeit der Ereignisse von Bedeutung, sondern auch der Einsatz je Runde sowie der bei einem Ereignis ggf. realisierte Gewinn.
    Bezogen auf die Kernkraft ist das nicht anders: Wenn wir mit einer vermeintlichen sehr geringen Wahrscheinlichkeit vor einem riesigen Berg Scheiße stehen, dann ist der Erwartungswert immer noch ein sehr großer Haufen. Eines ist hier jedoch anders als beim Roulette: Die möglichen Verluste am Ende des Tages tragen nicht oder nicht nur die Betreiber der AKW (diese realisieren nur die Gewinne) oder die Politiker (diese gewinnen indirekt durch die Gunst der Atomlobby), sondern andere. Ein klassischer Fall der Externalisierung von Kosten. Oder hat schon jemand von einem realisierten Endlager für radioaktive Abfälle gehört, für das die Atomindustrie gesorgt hätte?
    Falls der bei uns nicht, nienmals, unter keinen Umständen zu erwartende GAU dann doch eintreten sollte werden die Verantwortlichen sicher ausreichend Möglichkeiten haben, ihren Arsch an eben diesen der Welt zu verfrachten, um aus ihren Nachkommen keine Burlis werden zu lassen. Wie würde es wohl die wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen beeinflussen, wenn Betreiber und Poilitiker sowie deren Nachfahren dazu verpflichtet werden könnten, im Fall der Fälle vor Ort bei den Hilfsmaßnahmen und Aufräumarbeiten persönlich zu unterstützen?
    Da dies aber nicht der Fall ist und nicht sein wird erwarte ich nicht nur, wie vom wahlkämpfenden Umweltminister Röttgen verkündet, dass wir „über Atomkraft neu nachdenken“:

    Ich fordere vielmehr die Rückkehr zum Ausstieg. Und weil es bei den Guttenberg-Fans ein so beliebtes Instrument war mache ich das auch bei Facebook:
    https://www.facebook.com/AtomausstiegJetzt
     

  • Wikileaks hui, Amazon und Paypal pfui?

    Ich bin jemand, dem Werte und Ideale sehr wichtig sind. Und der es sich manchmal nicht einfach macht, wenn er konsequent bleibt. Zumindest versuche ich, mir immer treu zu bleiben. Ich bemühe mich, auch meinen Kindern zu zeigen, dass nicht immer der einfachste Weg der richtige ist und der richtige nicht immer einfach. Dass man ihn aber trotzdem gehen sollte, wenn man sich im Spiegel ansehen können möchte.

    Dieser Tage stehe ich auch vor solchen Abwägungen. Nachdem Wikileaks am 28. November 2010 ca. eine viertel Million (!) US-amerikanischer Berichte veröffentlicht hatte kam es nicht nur zu DDoS-Attacken auf deren Server. Im Nachgang wurden, wahrscheinlich auf politischen Druck hin, die Dienstleistungen seitens Amazon eingestellt und der Paypal-Account deaktiviert. Falls sich jetzt jemand wundert, was Amazon mit Wikileaks zu schaffen hat: Neben dem Versandhandelsgeschäft betreibt Amazon einen Geschäftszweig mit Internetdienstleistungen, den amazon web services. Und diesen hatte Wikileaks zum Verteilen der Dokumente genutzt.

    John Perry Barlow,  Mitgründer der Internet-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation, veröffentlichte daraufhin folgenden vielzitierten Tweet:

    [blackbirdpie id=“10627544017534976″]

    Weil ich mich damit grundsätzlich gerne solidarisiere und die Arbeit der Wikileaks-Leute schätze und für grundsätzlich sehr wertvoll für unsere Gesellschaft halte habe ich dann heute auch überlegt, wie ich persönlich in Sachen Amazon und Paypal reagieren soll. Schließe ich mich den Boykott-Aufrufen an?

    Ich werde es nicht tun. Nicht, weil der Einkauf bei Amazon so bequem und mit hohem Service verbunden ist. Nicht, weil ich hin und wieder gerne Paypal nutze, wenn es schnell gehen soll mit einer Bestellung. Sondern ganz einfach weil ich die Entscheidung der Unternehmen nachvollziehen kann.

    Bei aller Sympathie für Wikileaks und trotz meiner Affinität zur Hackerethik – wir haben es hier mit zum einen mit Wirtschaftsunternehmen zu tun, deren Management in erster Linie nun einmal seinen Eigentümern und Mitarbeitern verpflichtet ist und Schaden vom Unternehmen abwenden muss. Und zum anderen ist bei den veröffentlichten Dokumenten m.E. unstrittig, dass Wikileaks nicht über die Rechte zur Veröffentlichung verfügt.

    Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Ich begrüße die Veröffentlichung solcher Informationen grundsätzlich – nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass man von Unternehmen wie Amazon oder Paypal nicht erwarten kann, dass sie bei Kenntnisnahme der Inhalte und rechtlichen Brisanz der Dokumente Wikileaks offiziell weiterhin die Geschäftsbeziehung zu Wikileaks aufrecht erhalten. Die Arbeit von Wikileaks findet nunmal, gelinde ausgedrückt, in einer rechtlichen Grauzone statt. Und das ist auch gut so –  man kann Systeme nur schwerlich kontrollieren, wenn man sie nicht verlässt.

    Falls Ihr Euch selbst eine Meinung zu den Dokumenten bilden möchtet und Wikileaks nicht erreichen könnt, weil eine Domain nicht erreichbar ist, findet Ihr hier eine Liste von Mirror-Servern.

    „Information wants to be free“

  • Medikamente auf Rezept teurer als ohne?

    Als ich kürzlich eine Wurzelspitzenresektion über mich ergehen lassen musste bekam ich im Anschluss an die Behandlung vom Kieferchirurgen ein Rezept für ein “nichtsteroidales Antiphlogistikum”.
    Sprich: ein Schmerzmittel, das gleichzeitig die Schmerz- und Entzündungsreaktion und Schwellungen lindert.
    Sprich: Ibuprofen. Da ich an Migräne leide und recht häufig Kopfschmerzen habe kaufe ich “Ibuprofen 400”-Filmtabletten auch oft ohne Rezept. Je nach Apotheke und Angebot zahle ich für die 20er Packung dann zwischen 4 und 5 Euro. Umso erstaunter war ich, als ich das Rezept einlöste: Auch hier handelte es sich um den gleichen Wirkstoff und 20 Filmtabletten, die Produktbezeichnung lautete “Ibuprofen AL 400”, der Hersteller ist die ALIUD PHARMA GmbH. Ohne den Zusatz “akut”, allerdings mit dem gleichen Wirkstoff in der gleichen Dosierung: Ibuprofen 400mg / Filmtablette. Nur lag der Abgabepreis diesmal bei 10,91 € und ich als Kassenpatient musste 5,00 € Zuzahlung leisten. Zumindest für mich persönlich war das Medikament also bei gleichem Wirkstoff teurer als ohne Rezept! Und ich frage mich nun:

    • zahlt meine Krankenkasse darüber hinaus auch noch etwas? Dann wundert mich die  Kostenexplosion des Gesundheitssystems wieder etwas weniger …
    • wie kann der gleiche Wirkstoff zum einen als OTC-Arzneimittel frei verkäuflich und in einem anderen Produkt verschreibungspflichtig sein?

    Kann jemand von Euch das beantworten?