Stern des Südens

IMG_0701 Man man man … was für ein verrücktes Finale einer verrückten Saison war das gestern Abend?! Alles in allem bin ich zwar enttäuscht über die vergebenen Chancen gegen Dortmund und Chelsea – aber nüchtern betrachtet war das alles andere als eine erfolglose Saison für den FC Bayern. Und wenn man sich dann etwas beruhigt hat kommt auch wieder dieses “Mia san mia”-Gefühl. Zum Beispiel, wenn einem klar wird, dass Bayern sich über Rekord-Einnahmen aus der Champions League in Höhe von über 60 Millionen Euro freuen darf. Ja, liebe Neider, da kommt das ganze Geld her, welches wir dann u.a. in neue Spieler reinvestieren. Fällt auch in München nicht vom Himmel, sondern ist erspielt erwirtschaftet … Aber es wird natürlich immer die Spinner geben, die sich wider jegliche Fakten und jenseits von Sportsgeist und Fußballsachverstand prinzipiell gegen den deutschen Rekordmeister positionieren. Um das Lied aus dem Titel des Beitrags zu zitieren “So war es, so ist es, so wird es immer sein!”. Obwohl ich mich in all den Jahren grundsätzlich damit abgefunden habe rege ich mich immer wieder darüber auf (und dann darüber, dass ich mich aufrege ;-). Insbesondere bei der gestrigen Konstellation gegen Chelsea kann ich mir nichts dämlicheres vorstellen: Während der FC Bayern München äußerst profitabel arbeitet stellt Chelsea ebenso wie viele andere europäische Clubs den Gegenentwurf zum Financial Fairplay (FFP) Reglement der UEFA dar. Eine ausführliche Analyse findet Ihr in diesem informativen Vergleich der wirtschaftlichen Philosophien von Bayern München und Chelsea. Wie gesagt, ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn jemand aus persönlichen Gründen zu Chelsea, Madrid o.a. ausländischen Clubs hält, wenn es gegen einen deutschen Gegner geht. Wenn sich die Missgunst aber nur aus dem langjährigen Frust über das sportliche und/oder wirtschaftliche Unvermögen der eigenen Mannschaft ableitet ist das erbärmlich. Solche “Fans” waren sicher auch im Kindesalter die, die zu doof waren schöne Sandburgen zu bauen und sie anderen lieber kaputtgemacht haben. Die sich über das größere Weihnachtsgeschenk des Nachbarkindes ärgerten und es bei der nächsten Gelegenheit zerstörten oder verschwinden ließen. Aber glücklicherweise gibt es ja auch die anderen. Die Fans von Gladbach, Dortmund, Werder usw. die wissen, dass auch ihr Club letzten Endes vom internationalen Erfolg des FC Bayern profitiert. Die nicht vergessen, dass sie beim Public Komasaufen bei der EM auch wieder auf die Münchener Nationalspieler setzen werden, deren Ego wieder aufzurichten jetzt Aufgabe von Jogi Löw sein wird. Die sich nicht für den besseren Bundestrainer halten und die Bayern eh zu Hause lassen würden. Die einfach genügend Sportsgeist mitbringen. Den anderen möchte ich bei dieser Gelegenheit ein für alle Mal mit auf den Weg geben: Eure Missgunst kotzt mich an. Lasst uns einander bitte in Zukunft aus dem Weg gehen. Und in Richtung aller enttäuschten Bayern-Fans: Kopf hoch! Das war alles andere als eine verlorene Saison. Als ich mich heute im Fitness-Studio vom neuen Album der Toten Hosen beschallen ließ stellte ich fest, dass sie neben der Fortuna-Hymne “Tage wie diese” auch gleich einen Song für uns Bayern draufgepackt haben. Nein, nicht das alte Anti-Ding. Sondern diesen hier:Schade, wie kann das passieren? Ich kann mir kaum einen Song vorstellen, dessen Songtext heute und generell zu der abgelaufenen Saison besser passt. Ich höre ihn rauf und runter und fühle mich schon viel besser… ;-)

Occupy Wallstreet, Gaucks Senf dazu – und mein Erbrochenes.

Ich wollte mich ja eigentlich nicht zu diesem Thema äußern, weil mich polarisierende politische Diskussionen mittlerweile nerven. Fast so sehr wie die Politiker, die sich – ohne Rücksicht darauf, ob sie gefragt wurden – nach vorne drängen um sich zu äußern.

Und nun auch noch Gauck. Für die BILD-Leser Jüngeren unter uns: Das ist der Mann, der vor allem bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit große Verdienste hat und sich später zunächst von schwarz, dann von rot-grün hat vor den Karren spannen lassen.

Nicht, dass ich seine Verdienste nicht anerkennen würde. Aber schon beim Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten ist mir ein wenig übel aufgestoßen, dass ihm – meiner ganz persönlichen Meinung nach – mehr Weisheit zugeschrieben wurde als gerechtfertigt ist. Er ist ein Mensch mit Werten und Charakter – davor habe ich Hochachtung. Aber er ist für mich kein weltpolitischer Stratege. Und ich habe immer noch den – möglicherweise naiven – Anspruch, dass große Politiker Vollprofis wie Helmut Schmidt sein sollten. Und den sehe ich in ihm nicht ansatzweise.

Daher frage ich mich auch, aufgrund welcher finanzpolitischen Erfahrung er sich zu den aktuellen Protesten äußern möchte – und was wir hier von seinen Erfahrungen aus der DDR lernen können?

In Anspielung auf die DDR erklärte er: „Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.“ Es sei zu bezweifeln, dass die Bankeinlagen sicherer wären, wenn die Politiker in der Finanzwirtschaft das Sagen hätten.

Wenn er etwas zur Sache beitragen möchte, dann soll er lieber zu den Ursachen dieser Bewegung Stellung nehmen, auf die Nico Lumma heute hingewiesen hat. Die in seinem Beitrag verlinkte Infografik der NY Times zeigt meines Erachtens hervorragend auf, was ich persönlich für eine sehr große gesellschaftliche Gefahr halte: Die seit den 80ern immer weiter klaffende Schere zwischen der Entwicklung von Produktivität und Lohn.

Ich bin mir sicher: wenn man das Thema nicht angeht und löst, wird es eines Tages – sorry für den Ausdruck – wieder richtig was auf die Fresse geben. Weltweit, hier vielleicht etwas später, weil es uns verhältnismäßig gut geht. Aber sozialer Unfrieden mit extremen Szenarien wie zur französischen Revolution sind keine Spukgeschichten aus der Vergangenheit – sie sind jederzeit wieder möglich, wenn die zwischenzeitlich erreichten Prinzipien sozialer Ausgewogenheit bedenkenlos über den Haufen geworden werden. Und dann nützt dem Großbanker auch sein Panzerwagen nix mehr.

Sternsingen

Man kann nicht sagen, dass ich mit der Kirche als Institution besonders viel am Hut habe. Ich bin zwar gläubig, aber ich sehe vieles, das im Namen der Kirche (insbesondere der katholischen, der ich angehöre) geschah und geschieht, kritisch.
Es gibt aber auch vieles, das durch oder mit der Kirche passiert, das ich gut finde. Das ich nicht missen möchte. Kirche ist meines Erachtens immer dann gut, wenn sie direkt und unmittelbar den Menschen dient. Mit Werten, die kein Selbstzweck sind oder der Manifestation eines Machtanspruchs dienen. Von Menschen für Menschen halt. Als Gemeinschaft, nicht als Organisation.
Heute hat mein größerer Sohn zum ersten Mal beim Sternsingen mitgemacht.
Es war schön und ein Erfolg in vielerlei Hinsicht:

  • Für seine Freunde und ihn, weil es ihnen Spaß gemacht hat und sie mit vielen Süßigkeiten eingedeckt wurden.
  • Für viele Leute, bei denen sie geklingelt haben und die sich teilweise richtig gefreut haben. Manchen hatten sogar in Abwesenheit das Geld (und Süßigkeiten) vor der Tür deponiert.
  • Für den guten Zweck, weil wirklich einiges gespendet wurde, wie wir am Abend erfahren haben.
  • Und nicht zuletzt für mich, weil ich zum einen stolz bin auf meinen Sohn und zum anderen sehe, dass hier bei uns in Kleinenbroich noch ein wenig heile Welt herrscht..

Übrigens stehen die Buchstaben in der Schrift, die an die Häuser angebracht wird, offiziell nicht (mehr)  für die Namen der heiligen drei Könige CasparMelchior und Balthasar, sondern für „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“). Aber ich finde, das ist auch völlig unerheblich. Wichtig ist meines Erachtens, dass hier nach dem Geschenke-Wahnsinn zu Weihnachten und ausschweifenden Silvester-Parties zu Beginn des Jahres auch einmal an jene gedacht wird, denen es nicht ganz so gut geht wie uns.

Wikileaks hui, Amazon und Paypal pfui?

Ich bin jemand, dem Werte und Ideale sehr wichtig sind. Und der es sich manchmal nicht einfach macht, wenn er konsequent bleibt. Zumindest versuche ich, mir immer treu zu bleiben. Ich bemühe mich, auch meinen Kindern zu zeigen, dass nicht immer der einfachste Weg der richtige ist und der richtige nicht immer einfach. Dass man ihn aber trotzdem gehen sollte, wenn man sich im Spiegel ansehen können möchte.

Dieser Tage stehe ich auch vor solchen Abwägungen. Nachdem Wikileaks am 28. November 2010 ca. eine viertel Million (!) US-amerikanischer Berichte veröffentlicht hatte kam es nicht nur zu DDoS-Attacken auf deren Server. Im Nachgang wurden, wahrscheinlich auf politischen Druck hin, die Dienstleistungen seitens Amazon eingestellt und der Paypal-Account deaktiviert. Falls sich jetzt jemand wundert, was Amazon mit Wikileaks zu schaffen hat: Neben dem Versandhandelsgeschäft betreibt Amazon einen Geschäftszweig mit Internetdienstleistungen, den amazon web services. Und diesen hatte Wikileaks zum Verteilen der Dokumente genutzt.

John Perry Barlow,  Mitgründer der Internet-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation, veröffentlichte daraufhin folgenden vielzitierten Tweet:

[blackbirdpie id=“10627544017534976″]

Weil ich mich damit grundsätzlich gerne solidarisiere und die Arbeit der Wikileaks-Leute schätze und für grundsätzlich sehr wertvoll für unsere Gesellschaft halte habe ich dann heute auch überlegt, wie ich persönlich in Sachen Amazon und Paypal reagieren soll. Schließe ich mich den Boykott-Aufrufen an?

Ich werde es nicht tun. Nicht, weil der Einkauf bei Amazon so bequem und mit hohem Service verbunden ist. Nicht, weil ich hin und wieder gerne Paypal nutze, wenn es schnell gehen soll mit einer Bestellung. Sondern ganz einfach weil ich die Entscheidung der Unternehmen nachvollziehen kann.

Bei aller Sympathie für Wikileaks und trotz meiner Affinität zur Hackerethik – wir haben es hier mit zum einen mit Wirtschaftsunternehmen zu tun, deren Management in erster Linie nun einmal seinen Eigentümern und Mitarbeitern verpflichtet ist und Schaden vom Unternehmen abwenden muss. Und zum anderen ist bei den veröffentlichten Dokumenten m.E. unstrittig, dass Wikileaks nicht über die Rechte zur Veröffentlichung verfügt.

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Ich begrüße die Veröffentlichung solcher Informationen grundsätzlich – nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass man von Unternehmen wie Amazon oder Paypal nicht erwarten kann, dass sie bei Kenntnisnahme der Inhalte und rechtlichen Brisanz der Dokumente Wikileaks offiziell weiterhin die Geschäftsbeziehung zu Wikileaks aufrecht erhalten. Die Arbeit von Wikileaks findet nunmal, gelinde ausgedrückt, in einer rechtlichen Grauzone statt. Und das ist auch gut so –  man kann Systeme nur schwerlich kontrollieren, wenn man sie nicht verlässt.

Falls Ihr Euch selbst eine Meinung zu den Dokumenten bilden möchtet und Wikileaks nicht erreichen könnt, weil eine Domain nicht erreichbar ist, findet Ihr hier eine Liste von Mirror-Servern.

„Information wants to be free“

Grüner Laser gegen Fußballer beim Spiel Deutschland – Türkei

Die DFB-Elf hat heute im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei mit 3:0 gewonnen – ein spannendes Spiel und ein klarer Erfolg. Geärgert hat mich dabei aber neben den nervenden Kommentaren von Béla Réthy vor allem eins: der verantwortungslose, gefährliche Einsatz von Laserpointern gegen die Fußballspieler! Ich verstehe einfach nicht, wie man so gewissenlos die Gesundheit anderer Menschen auf’s Spiel setzen kann:

Wann fallen diese Laserpointer endlich wie in Australien unter das Waffengesetz, damit bereits das Tragen dieser Geräte in der Öffentlichkeit strafbar ist? Potentiell viel schlimmer als das Blenden einzelner Personen ist natürlich der Einsatz gegen Flugzeuge. Daher habe ich mich vor einiger Zeit auch sehr gefreut, dass man solche kriminellen, gemeingefährlichen Idioten festnehmen konnte, nachdem sie nach dem Flugzeug auch noch den nach ihnen fahndenden Polizeihubschrauber angestrahlt hatten!