Social Media reloaded

Wer hier schon eine Zeitlang mitliest weiß, dass ich die von mir genutzten Online-Dienste, Webhoster und vor allem auch meine persönliche Nutzung immer wieder einmal hinterfrage. Dann werden Twitter-Clients gewechselt, das Blog zieht um, Bilder werden an anderer Stelle gepostet usw. … Panta rhei. Aktuell mache ich mir auch wieder ein wenig Gedanken, im Moment geht es vor allem um soziale Netzwerke im engeren Sinne: Twitter, Facebook und neuerdings Google+. Auslöser war zunächst, dass mit Google+ eine neuer, ernstzunehmender Player den Markt betrat, dessen Ansätze mir ziemlich gut gefallen. Dann hatte ich während meines Urlaubs teils freiwillig, teils aufgrund mangelnder Netzversorgung meine Aktivitäten auf ein Minimum beschränkt – und es eher genossen als bedauert. In dieser Zeit machte sich auch Caschy Gedanken zu Facebook und heute bloggte mein Freund Marc unabhängig und ohne, dass wir uns in letzter Zeit darüber gesprochen hätten, auch über das Thema. Zu guter Letzt las ich eben einen Artikel auf Spiegel Online, der sich mit dem gelungenen Kurzfilm “Farewell Facebook” beschäftigt:

Quelle: http://www.youtube.com/user/farewellfacebook

  Alles in allem für mich Grund genug, meine gesammelten Gedanken auch noch einmal niederzuschreiben, denn spätestens in meinem Urlaub habe ich wieder einmal festgestellt, dass ich meine Nutzung von Social Media z.B. zugunsten eines guten Buchs reduzieren möchte. Dass ich die o.a. Netzwerke nicht alle gleichwertig nutzen kann liegt ohnehin auf der Hand. Wie also geht es bei mir weiter? Twitter Twitter ist das soziale Netzwerk, dass in der Vergangenheit am meisten genutzt habe und ich denke, es wird es auch bleiben. Ich glaube nämlich im Gegensatz zu Nico Lumma nicht daran, dass Twitter am Ende ist. Zum einen, weil ich dort viele Bekannte habe, die weder mit Facebook noch mit Google+ etwas zu tun haben möchten und Twitter gerade aufgrund des geringen Funktionsumfangs und seines Broadcast-Charakters schätzen. Zum anderen glaube ich, dass die weitreichende Integration in iOS 5 dafür sorgen wird, dass wiederum viele neue User hinzukommen, die bisher nur den Weg von den VZ-Netzwerken nach Facebook gefunden haben. Rein subjektiv empfinde ich bei Twitter einen weiteren, psychologischen Vorteil: während viele an Twitter kritisieren, dass zusammenhängende Diskussionen wie bei Facebook oder Google+ nicht so einfach möglich sind und daher kaum im Nachhinein verfolgt werden können empfinde ich dies gerade als entlastend. Bei Facebook und Google+ verspüre ich immer ein wenig den Drang, nichts zu verpassen und alles nachzulesen. Bei Twitter hänge ich dann, wenn ich Zeit dafür habe, etwas ab und gut ist. Nicht zuletzt ist Twitter zumindest in meinem Fall das Netzwerk, über das ich viele neue Kontakte knüpfen konnte, während sich bei Facebook tendenziell schon vorhandene Kontakte – sei es aus dem “echten Leben” oder eben aus Twitter – ansammelten. Facebook Ich stelle fest, dass ich meine Facebook-Aktivität schon seit einiger Zeit immer weiter einschränke. Die Status-Updates dort setzen sich im Wesentlichen aus automatisch generierten Links via Google Reader / Twitterfeed sowie Crosspostings via Twitter zusammen. Ich schreibe fast nie etwas ausschließlich auf Facebook – was zum Teil auch an der besch… mobilen App liegt – von der fehlenden iPad-App mal ganz zu schweigen. Im Grunde geht es mir nur darum, mache Informationen auch mit jenen zu teilen, die nur bei Facebook sind, nicht aber bei Twitter. So richtig mochte ich Facebook eigentlich nie. Die laxe Einstellung zum Datenschutz, die Ignoranz bezüglich des User-Feedbacks, die Notwendigkeit jeden als “Freund” zu akzeptieren oder gar nicht in Kontakt zu treten, der Zwang Gefallen an Unternehmensseiten auszudrücken, nur um an Informationen zu gelangen, und möglicherweise auch der zumindest unterbewusst empfundene Mangel an Nutzen sorgten dafür, dass mir Facebook nie wirklich sympathisch wurde. Und falls mir jetzt jemand meine Nutzung der Google-Dienste im Zusammenhang mit Datenschutz vorhalten möchte: Dort empfinde ich mit dem genialen GMail, dem Kalender, Android, Picasa usw. eben einen deutlich höheren subjektiven Nutzen im Gegenzug für die von mir bereitgestellten Daten. Ich glaube daher, dass sich Facebook bei mir  – ähnlich wie Xing – weiter zu einer reinen “Kontaktdatenbank” entwickeln wird, die nicht mehr so regelmäßig nutzen werde. Google+ Für eine Einschätzung bezüglich Google+ ist es eigentlich noch viel zu früh. Der Dienst ist ja noch ganz am Anfang und könnte in den nächsten Monaten schon deutlich anders aussehen, das hat Google sich ja ausdrücklich vorbehalten. Die Ansätze gefallen mir aber wie bereits geschrieben gut. Ich kann mir vorstellen, dass damit u.a. Skype für mich überflüssig wird und je nach Integration weiterer Google-Dienste, die ich ja intensiv nutze, Google+ sich zu meiner “Schaltzentrale” im Netz entwickelt. Das hängt aber entscheidend davon ab, inwiefern Google+ das Problem des information overloads in den Griff bekommt. Wie o.a. fühle ich mich dort zur Zeit – ähnlich wie bei Facebook – noch etwas erschlagen von all den Infos, die mir bei Twitter erst nach einem (bewussten) Klick auf einen Link präsentiert werden. Falls jemand tatsächlich bis hierhin gelesen hat und sich fragt, warum ich dies, teilweise zum wiederholten Male, hier niederschreibe: seht als als persönliches Brainstorming an, als öffentliche Reflektion. Und ein klein wenig ist es so wie bei Joep von Osch:

Aber ich wollte Leute ja auch nicht dazu bringen, die Nutzung von Facebook einzustellen. Ich wollte, dass sie über meine Probleme dort lachen können und über ihr eigenes Verhalten dort nachdenken.

Michael Fehr

Ne echte Nüsser Jong (Baujahr 1972), den es nach einem mehrjährigen Gastspiel in Düsseldorf wieder zurück an den wunderschönen linken Niederrhein zog. Verheiratet, 2 Kids. Geek by nature. Sie finden mich auch bei Facebook, Twitter und Instagram.

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